Donnerstag, 21. Februar 2019

Kollegiales Eltern-Coaching

Seit Januar dieses Jahres findet monatlich einmal ein eltern.tisch in Eglisau statt.

Das Angebot richtet sich an Eltern, die mit der Erziehung ihres Jugendlichen/ ihrer Jugendlichen herausgefordert sind und gemeinsam mit anderen Eltern nach Lösungen oder Antworten suchen wollen.

In einem geschützten Rahmen können Eltern über die Erfahrungen und Anforderungen als Erziehungsverantwortliche reden. Sie erhalten ein persönliches Feedback sowie lösungsorientierte Handlungsmöglichkeiten:

  • ·     Das Angebot ist freiwillig und kostenlos für Eltern

  • ·     Der eltern.tisch wird von der Schule und der Gemeinde Eglisau finanziert

  • ·     Die Gespräche sind vertraulich

  • ·     Die Eltern unterstützen sich gegenseitig

 

Der eltern.tisch in Eglisau wird von Franz Holderegger (Psychologe, Krisenintervention Schweiz) geleitet. Er sorgt dafür, dass Anerkennung und Wertschätzung im Zentrum stehen und eine wohlwollende und vertrauensvolle Gesprächskultur gepflegt wird.

Angeregt wurde die Idee zu einem runden Tisch durch besorgte Eltern im Herbst 2018. Dazu kamen vermehrt Hinweise, einzelne Jugendliche würden in ihrer Freizeit problematisch viel und sehr gefährliche illegale Substanzen konsumieren. Auch Jugendliche im schulpflichtigen Alter wurden dabei genannt.

Im Rahmen einer gemeinsamen Strategieplanung durch die Jugendsozialarbeit, die Schulsozialarbeit und die Schulleitung, begleitet durch die Krisenintervention Schweiz, wurde der eltern.tisch ins Leben gerufen.

 

Jugendliche und Suchtmittel

An der Sekundarschule wurde im Dezember 2018 in allen Klassen eine ausserordentliche Aufklärung der Jugendlichen durch die Jugendintervention der Kantonspolizei durchgeführt. Das Lehrerteam wurde durch einen Vertreter der Suchtpräventionsstelle geschult und machte, begleitet durch das Institut für systemische Impulse, Fallbesprechungen und Supervision.

Im Januar 2019 wurden alle Eltern der Sekundarschule zu einem Elternabend eingeladen. Dieser wurde mitgestaltet von der Suchtpräventionsstelle Zürcher Unterland, der Jugendinterventionsstelle der Kantonspolizei, der Fachstelle für Abhängigkeitserkrankungen Bülach (fabb) und dem Kinder und Jugendzentrum Bülach (KJZ).

Die Fachstellen waren sich in einem Punkt absolut einig: Der Rauschmittelkonsum ist für heranwachsende Jugendlichen gefährlich - je höher der Konsum desto schlimmer.

Ein Erstkonsum lässt sich oft durch pubertäre jugendliche Neugier, altersgemässer Unüberlegtheit, dem Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit oder Anderssein erklären. Oft sind es dann gegenseitig bestärkte Fehleinschätzungen unter Jugendlichen, sowie ausgeprägtes Risikoverhalten und die einfache Verfügbarkeit, die zu einem weiteren, regelmässigen Konsum verleiten. Erschwerend kommt dazu, dass heutiges Cannabis beispielsweise, mit seiner enorm angestiegenen THC-Konzentration, massiv unterschätzt wird.

Gemäss WHO-Studie 2016 liegt das Abhängigkeitsrisiko bei Personen, die erstmalig Cannabis konsumieren, bei 1:10, bei einem täglichen Konsum sogar bei 1:3. Bei Jugendlichen (14-16 Jahre) sind die negativen Folgen eines regelmäßigen Cannabiskonsums und die daraus resultierende Suchtgefährdung noch weitaus stärker ausgeprägt, als bei Erwachsenen.

Kurzzeitfolgen: Cannabis kann zu Panikattacken, kurzweiliger Euphorie, Halluzinationen und Brechreiz führen. Bewusstseins-, Verhaltens- und Wahrnehmungsstörungen, verzögerte Reaktionszeiten können auftreten.

Langzeitfolgen: Rückzug aus dem alltäglichen Leben, Depressionen, Psychosen, Wahnvorstellungen, allgemeine Anspannung, erhöhte Selbstmordgefährdung und Krebsrisiken sowie chronische Lungenerkrankungen.

 

Intervention

Die Intervention bei betroffenen Jugendlichen ist in der Regel äusserst herausfordernd für alle davon betroffenen Personen. Ein funktionierendes Umfeld - insbesondere der Rückhalt durch die Eltern in der Pubertät - bietet eine gute Grundlage, sowie ein abstinenter Umgang mit Drogen im heimischen Lebensumfeld der Jugendlichen.

Für die Früherkennung und Frühintervention ist die Schule ein wichtiger Ort. Wenn Schülerinnen oder Schüler auffällige Verhaltensweisen zeigen, oft müde sind und sinkende Leistungen zeigen, kann unter Umständen ein Suchtmittelkonsum dahinter stehen. Die Schule bespricht sich bei derartigen Beobachtungen mit den Eltern und unterstützt diese bei der Lösungssuche. Bei akut vermutetem Konsum in der Schule werden die Erziehungsberechtigten unmittelbar benachrichtigt und die Jugendlichen durch sie abgeholt oder nach Hause begleitet.

Beobachteter Handel oder Besitz illegaler Substanzen wird nach Rücksprache mit der zuständigen Fachstelle der Kantonspolizei sofort angezeigt und kann zu einem Schulausschluss führen.

Die gesetzlichen Grundlagen erlauben der Schule nicht, eigenmächtig, auf Verdacht oder Hinweise hin, Durchsuchungen bei Schülerinnen oder Schülern und deren Eigentum durchzuführen oder weitere Massnahmen zu ergreifen.

Wenn bei betroffenen Jugendlichen keine Freiwilligkeit zur Veränderung ihres Verhaltens gegeben ist, die Eltern keine positive Veränderung des beobachteten Zustandes bewirken können und das Wohl eines Kindes oder Jugendlichen gefährdet ist, müssen Massnahmen durch Meldung an Behörden (KESB) oder Polizei eingeleitet werden.

 

Prävention

Wirksame Suchtprävention im schulischen Alltag der Kinder beginnt bereits im Kindergarten, mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche möglichst zu stärken. Sie wird durch die ganze Schulzeit fortgesetzt und in die jeweiligen Schulsettings integriert. Ein zentrales Ziel dieser verhältnisorientierten Suchtprävention ist die Schaffung eines gesundheitsfördernden Schulklimas, das alle Stufen und Unterrichtsfächer durchdringt und auf allen Ebenen gelebt wird.

Nebst lehrplanorientierten Inhalten wird mit umfassenden Angeboten wie «Minz Grün» im Kindergarten, Thementagen mit Theater, Bewegungs- und Kursangeboten oder Inputs wie «Flirt statt Anmache» an der Sekundarschule sowie der Auseinandersetzung mit der Neuen Autorität auf Teamebene eine möglichst grosse Präventionswirkung angestrebt.

 

Das familiäre Lebensumfeld der Kinder ist der einflussreichste Faktor für ihre gesunde Entwicklung und einen angemessenen Umgang mit den Herausforderungen unserer Welt. Ein Erziehungs- und Kommunikationsstil, welcher von Verlässlichkeit, Zuwendung, altersgemässer Förderung sowie klaren Erwartungen und Haltungen der Eltern gegenüber Suchtmitteln geprägt ist, kann erfolgreich vorbeugend wirken. Wenn Eltern und Schule gemeinsam Sorge tragen sind die Chancen hoch, dass das klappt.

Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf Afrikanisches Sprichwort

>Stephan Passerini, Schulleiter Sek

 

Quellen:

Wayne Hall, Maria Renström and Vladimir Poznyak, The health and social effects of nonmedical cannabis use, WHO 2016, ISBN: 978 92 151024 0

suchtschweiz.ch

Suchtpräventionsstelle Zürcher Unterland

Fachstelle für Abhängigkeitserkrankungen Bülach (fabb)

Jugendintervention Kantonspolizei Zürich